Feldführer zur Nestsuche der Asiatischen Hornisse

Willkommen beim Vespa Velutina Field Guide Telemetrie zum Suchen von Nestern der Vespa velutina nigrithorax. Diese Guide ist eine Work in Progress und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Korrektheit. Wir lernen alle gerade mit dem Insekt umzugehen, damit wir nicht damit leben müssen.

1. Vorbereiten

Damit das Markieren einer Hornisse, und damit auch das Finden des Nests, zu einem Erfolg wird, empfiehlt es sich die Hornisse vorher für die Aktion zu „begeistern“.

Locktopf ansetzen

Der Köder muss dem Fisch – in unserem Fall einer Hornisse – schmecken, nicht dem Angler. Es haben sich zwei besonders häufig eingesetzte Mischungen heraus kristalisiert.

Galicische Mischung
5l Wasser
2 kg Zucker
1 Würfel Hefe (oder. 2 Packungen Trockenhefe)
1 Schuss Weißwein
2 Tage im offen Gefäß gären lassen. Gefäß nicht verschließen, da Druckentwicklung

Um Honigbienen von den Locktöpfen fern zu halten, geben Sie etwas Essig oder Alkohol (Weißwein) hinzu.

Belgische Mischung:
1/3 Bier (Schwarzbier, Bock)
1/3 Süßer Wein
1/3 Himbeer- oder Zuckersirup
ein ordentlicher Schuss Himbeeressig


Locktopf aufstellen

Bereiten Sie einen Locktopf vor und stellen Sie ihn in der Flugroute der asiatischen Hornissen auf. Es empfiehlt sich ein sonniger Standort. Ein anderer Aufstellungsort ist auch in Ordnung, kann aber zu längeren Wartezeiten bis zum Beflug führen.

Plecso - Plecotus Solutions GmbH - Telemetrie Sets - asiatische Hornissen pendeln zwischen Nest und Locktopf
Tier auswählen

Stellen Sie zunächst sicher, dass Sie es zweifelsfrei mit der invasiven Asiatischen Hornisse zu tun haben und mit keiner anderen Spezies! Die meisten heimischen Wespen- und Hornissenarten stehen unter besonderem Schutz. Ihre Nester zu bekämpfen, kann gegen das Bundesnaturschutzgesetz verstoßen. Unsere VV und VB Sender sind nur für den Einsatz an der Asiatischen Hornisse (Vespa velutina) geeignet.

Beobachten Sie die Hornissen, die regelmäßig zwischen Locktopf und dem Nest pendeln. Falls Sie sich nicht sicher sind ob die Hornissen pendeln, wählen Sie ein möglichst gesundes, großes Exemplar aus und markieren es. Mehr Informationen zum Markieren einer Hornisse gibt es weiter unten. Stellen Sie sicher, dass sie keine Drohne ausgewählt haben.



Fangen Sie das Tier ein. Benutzen Sie dafür entweder ein Netz oder einen verschließbaren Becher. Führen Sie das Netz von unten, da die Hornisse dort schlecht sieht.

Plecso - Plecotus Solutions - Asiatische Hornisse im Fangkolben

Asiatische Hornisse im Königinnenzeichnungsgerät

Asiatische Hornisse in der Hornissen-Pinzette

Fixieren Sie das Tier, wenn Sie es haben. Dazu könnnen Sie ein Königinnenzeichnungsgerät oder eine Hornissen-Pinzette benutzen. Es empfiehlt sich einen Platz zu haben, wo man das Tier vorsichtig abstellen oder ablegen kann. Falls Sie mit Sendern arbeiten, empfielt sich für die Anbringung mit Klebstoff das Königinnenzeichnungsgerät und für die Anbringung mit Faden die Hornissenpinzette.

2. Fangen & Markieren

DIE eine Methode zur Nestsuche gibt es leider nicht. Viele Methoden lassen sich miteinander und untereinander Kombinieren um das gewünschte Resultat zu erzielen. Für welche Methode zur Markierung Sie sich entscheiden hängt von Ihren Kenntnissen, Fähigkeiten und den Gegebenheiten vor Ort ab. Wir stellen hier die drei gängisten Methoden vor: Telemetrie, Triangulieren, Beflaggen

Für alle Methoden gilt: lassen sie den Tieren Zeit sich zwischen Locktopf und Nest einzugrooven. Die Konditionierung ist notwendig um dem Tier den Schock des Kontakts mit Menschen zu erleichtern und das Erzielen von Ergebnissen überhaupt nötig zu machen.

Methode 1: Telemetrie

Vorteile:
  • Längere Einsatzdauer durch die Lebensdauer der Sender. Je nach Sender ist die Nestsuche über mehrere Tage durchführbar
  • Präziesere Ortung durch signalgesteuerte Peilung
  • Mehrfach Einsetzbares Material da wiederaufladbar
  • bleibt bei Wetterwechseln durchführbar
  • Hornisse muss nur einmalig gefangen werden
  • weist bei mehreren Nestern präzise auf nur eines
Nachteil:
  • Kosten sind zur Zeit für den professionellen Bereich ausgelegt, sinken aber stetig

Benötigt werden:

Empfohlen:

Fernglas oder besser Drohne zum Suchen des Nestes in hohem Geäst.

Anbringen des Senders mit Klebstoff

Bevor Sie ein Insekt besendern, stellen Sie wie oben bereits beschrieben bitte fest, dass dieses zwischen Locktopf und Nest pendelt.

Entnehmen Sie einen Sender der Ladestation. Legen Sie den Sender sicher ab, sodass kein plötzlicher Windstoß ihn davon wehen kann. Prüfen Sie mit dem Empfangssystem ob der Sender auch geladen ist. Es wäre ärgerlich einen entladenen Sendern an einer Hornisse zu befestigen. Dieser ist nur mit viel Glück wieder zu bekommen. Erklingt ein regelmäßiges Piepen aus dem Empfänger, funktioniert der Sender.

Legen Sie den Klebstoff bereit. Tragen Sie etwas Klebstoff an der Öse auf. Es wird nur ein kleiner Punkt Klebstoff benötigt um den Sender am Thorax der Hornisse zu befestigen. Nehmen Sie dazu die Plastikpinzette. Eine Metallpinzette wird wegen des Kurzschlussrisikos nicht empfohlen. Halten Sie den Sender an den Thorax der Hornisse und härten Sie diesen mit der beigelegten UV-Lampe aus.

Wenn der Kleber ausgehärtet ist bringen Sie die Hornisse in das Zelt um ihr Zeit zu geben den Schock zu verdauen. Beachten Sie, dass das Zelt bei Wind nicht davon geweht wird, weil die Hornisse sonst einen weiteren Schock erfährt. Wenn die Hornisse sich erholt hat, lassen Sie sie frei und verfolgen das Signal des Senders mit dem Empfangssystem.

Hier gibt es ein Video, in dem wir das Anbringen vorführen: Plecotus Solutions Sender an Hornissen anbringen

Anbringen des Senders mit Faden

Bevor Sie ein Insekt besendern, stellen Sie wie oben bereits beschrieben bitte fest, dass dieses zwischen Locktopf und Nest pendelt.

Entnehmen Sie einen Sender der Ladestation. Legen Sie den Sender sicher ab, sodass kein plötzlicher Windstoß ihn davon wehen kann. Prüfen Sie mit dem Empfangssystem ob der Sender auch geladen ist. Es wäre ärgerlich einen entladenen Sendern an einer Hornisse zu befestigen. Dieser ist nur mit viel Glück wieder zu bekommen. Erklingt ein regelmäßiges Piepen aus dem Empfänger, funktioniert der Sender.

Nehmen Sie sich einen stabilen Faden, denn die Hornisse kann mit ihren Mandibeln kräftig und ausdauernd zubeißen. Ein einfacher Bindfaden reicht nicht, dünne Angelschnur oder sogar Zahnseide funktionieren besser. Fädeln Sie den Faden durch die Öse des Senders. Halten Sie den Sender dabei entweder mit den Fingern oder mit einer Plastikpinzette. Metallpinzetten werden nicht empfohlen. Nehmen Sie die Hornissenpinzette und halten

Wenn der Kleber ausgehärtet ist bringen Sie die Hornisse in das Zelt um ihr Zeit zu geben den Schock zu verdauen. Beachten Sie, dass das Zelt bei Wind nicht davon geweht wird, weil die Hornisse sonst einen weiteren Schock erfährt. Wenn die Hornisse sich erholt hat, lassen Sie sie frei und verfolgen das Signal des Senders mit dem Empfangssystem.

Orten des Senders

Durch die vorherige Überprüfung der Funktionstüchtigkeit des Senders, kennen Sie bereits das piepsende Signal. Falls Sie diesen Schritt übersprungen haben, stellen Sie jetzt die richtige Frequenz des Senders ein. Diese entnehmen Sie dem beigelegten Informationsblatt. Jetzt können Sie einfach los legen. Schwenken Sie die Antenne langsam hin und her und folgen Sie dem lautesten Signal. Sollte das Signal nur schwach zu hören sein oder gar abreißen, erhöhen Sie den Gain. Sollte das Signal zu klar sein um eine Richtung fest zu stellen, dann senken Sie den Gain ab.

Beachten Sie, dass eine ungefähre Vorstellung von der Abflugrichtung der Hornisse hilfreich ist, da die Antenne auch rückseitig empfängt. Dabei ist das Signal zwar leiser, aber immer noch deutlich genug, um Verwirrung stiften zu können.

Folgen Sie dem Signal bis Sie das Hornissennest gefunden haben. Sollte keine Klarheit über den Standort entstehen, können Sie auf einer Karte oder einem einfachen Blatt Papier die ungefähre Richtung eintragen, in der Sie das Nest vermuten. Wechseln Sie den Standort und nähern sich der vermuteten Position aus einer anderen Richtung. Durch den Schnittpunkt der verschiedenen Richtungen können Sie den Standort weiter eingrenzen.

Sehen Sie von Ihrer Position aus nichts, wird das Nest wahrscheinlich durch die Vegetation vor neugierigen Blicken abgeschirmt. Nutzen Sie ein Fernglas oder eine Drohne um das Ziel zu finden. Nach dem Fund melden Sie das Nest bitte auf der zuständigen Meldeplattform.

Zurückholen des Senders

Die Sender können von Magneten fest gehalten werden. Deswegen empfehlen wir einen wirklich großen Magneten neben den entsprechenden Locktopf aufzustellen. Es kann eine Weile dauern, aber am Ende bleiben die Sender daran kleben. Eventuell müssen Sie nach 24 Stunden noch einmal zum Locktopf. Lösen Sie den Sender dann vorsichtig von der Hornisse und platzieren Sie ihn wieder in der richtigen Ladestation.

Wir können ausdrücklich nicht empfehlen den Sender im Nest zu belassen, wenn das Nest mit Dampf oder Aktivkohle behandelt wird. Das wird den Sender irreparabel schädigen.


Methode 2: Markieren & Suchen

Vorteile:
  • Niedrige Kosten dank Low-Tech-Lösung
Nachteil:
  • Zeit- und Personenintensiv
  • funktioniert nur bei freier Sicht

Benötigt werden:

  • Locktöpfe mit Mischung
  • Stoppuhr
  • Zeichnungsplättchen oder Acrylstifte
  • Küchen- oder Feinwaage
  • Königinnenzeichnungsgerät oder Wespen-Pinzette
  • Schmetterlingszelt / Aufwachzelt
  • Stift und Papier
  • (lamienierte) Gebietskarte
  • Kompass oder Kompass-App

Empfohlen:

Fernglas oder besser Drohne zum Suchen des Nestes in hohem Geäst.

Anbringen der Markierung

Fangen Sie eine Hornisse und platzieren Sie diese in einem Königinnenzeichnungsgerät.

Markieren Sie die Hornisse vorsichtig mit einem Acrylstift auf dem Abdomen. Geben Sie dem Acryllack etwas Zeit zum Trocknen. Auch andere Farben zur Markierungen sind möglich, so zum Beispiel Nagellack. Alternativ können Sie auch ein Opalith-Plättchen verwenden. Diese gibt es im Imkereibedarf.

Wenn mehrere Personen an der Nestsuche beteiligt sind, können auch mehrere Locktöpfe eingesetzt werden.

Triangulationsmethode

Beim Abflug der Hornisse messen Sie die Abflugrichtung der Hornisse mit dem Kompass. Tragen Sie diese in die Gebietskarte ein, die sie vorher ausgedruckt haben. Eine lamierte Gebietskarte ermöglicht es Fehler wieder weg zu wischen. Vergessen Sie nicht den Standort des Locktopfs ebenfalls zu markieren.

Wenn Sie diesen Vorgang mehrmals wiederholt haben, ergibt sich aus der Verlängerung der Flugrichtungen ein Gebiet, idealerweise ein Schnittpunkt, in dem das Nest gesucht werden sollte. Wiederholen Sie den Vorgang im ausgemachten Gebiet um die Position des Nestes weiter einzuschränken.

Doppelkreismethode

Nach der Markierung nehmen Sie sich die Stoppuhr zur Hand und lassen die Hornisse frei. Starten Sie die Stoppuhr und verfolgen Sie die Flugrichtung der Hornisse. Tragen Sie diese in die Karte ein. Wenn die Hornisse zum Locktop zurück kehrt, stoppen Sie die Zeitmessung und notieren sich den gemessenen Wert. Lassen Sie die Hornisse ein paar mal zurückkehren und ziehen Sie vom kleinsten Wert 45 Sekunden ab. Das ist die Pause, die die Hornisse im Nest macht. Das Ergebnis ist die Flugdauer zum und vom Nest zurück.

Berechnen Sie:
Kreis A in Meter = Flugdauer * 5 / 2
Kreis B in Meter = Flugdauer * 6,5 / 2

Zeichnen Sie Zeichnen Sie die Kreise auf ihrer Karte ein. Zusammen mit den Flugrichtungen ergibt sich ein Ringsegment als Suchfeld. Wenn Sie diesen Vorgang mehrmals an unterschiedlichen Standorten wiederholen oder mehrere Locktöpfe auf einmal verwenden ergibt sich ein kleineres Suchfeld.


Methode 3: Beflaggen

Vorteile:
  • Niedrige Kosten dank Low-Tech-Lösung
Nachteil:
  • Zeit- und Personenintensiv
  • Funktioniert nur bei freier Sicht

Benötigt werden:

  • Locktöpfe mit Mischung
  • Stoppuhr
  • Markierung (Stück Plastiktüte, Streifen Alufolie o. Lametta)
  • Bindfaden oder Zahnseide
  • Hornissen-Pinzette
  • Stift und Papier
  • (lamienierte) Gebietskarte
  • Kompass oder Kompass-App

Empfohlen:

Fernglas oder besser Drohne zum Suchen des Nestes in hohem Geäst.

Bereiten Sie Ihr Fähnchen vor. Binden Sie die Fahne an dem Bindfaden fest. Beachten sie, dass die Fahne deutlich sichtbar sein muss, aber nicht zu groß ausfallen darf, da der Luftwiederstand den Abflug erschwert.

Fangen Sie eine Hornisse und platzieren Sie diese in der Hornissen-Pinzette. Binden Sie nun das andere Ende des Bindfadens um die Wespentaille der Hornisse. Knoten Sie den Bindfaden nicht zu fest, sonst teilen Sie die Hornisse in zwei Teile.

Lassen Sie die Hornisse wieder frei und verfolgen Sie die Abflugrichtung. Jetzt können Sie sich entscheiden ob Sie der Hornisse folgen wollen, oder die Hornisse triangulieren wollen. Dazu lesen Sie bitte Methode 2 durch.


Rechtliche Aspekte
Bitte bedenken Sie, dass es möglicherweise einen Rechtsbruch darstellt ein Wildtier aus der Umwelt zu entnehmen. Quelle
Bitte bedenken Sie auch, dass es einen weiteren möglichen Rechtsbruch darstellt ein Neozoon in die Umwelt einzubringen. Quelle, Quelle
Die vorrangegangene Aussagen dieses Absatzes stellen keine Rechtsberatung dar.

3. Verfolgen & Melden

Sichtung mit Fernglas
Sichtung mit Drohne

Wenn Sie die oben genannten Methoden durchführen, werden Sie den Standort des Nestes finden. Vielleicht entdecken Sie das Nest sogar auf Anhieb. Da Sekundärnester vor allem an hohen Standorten zu finden sind, kann es sein, dass die Vegetation das Nest gegen Blicke von unten abschirmt. Hier empfiehlt sich der Einsatz einer Drohne aus sicherer Distanz. Ebenfalls zu empfehlen ist die Verwendung eines Fernglases. Ihr Risiko eine Reaktion des Schwarms auszulösen steigt mit der Nähe zum Nest. Auf keinen Fall sollten Sie gegen den Baum treten.

Nachdem Sie das Nest gefunden haben, melden Sie bitte dieses auf der entsprechenden Meldeplattform Ihres Standorts:

Deutschland

Baden-Württemberg
Bayern
Berlin
Brandenburg
Bremen
Hamburg
Hessen
Mecklenburg-Vorpommern
Niedersachsen
Nordrhein-Westfalen
Rheinland-Pfalz
Saarland
Sachsen
Sachsen-Anhalt
Schleswig-Holstein
Thüringen

Österreich

Meldeplattform

Schweiz

asiatischehornisse.ch

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